{"id":132,"date":"2001-01-20T08:00:00","date_gmt":"2001-01-20T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/?p=132"},"modified":"2022-08-16T08:41:06","modified_gmt":"2022-08-16T06:41:06","slug":"ein-kreuz-vor-suedamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/?p=132","title":{"rendered":"Ein Kreuz vor S\u00fcdamerika"},"content":{"rendered":"\n<p>Atlas im Mariengymnasium \/ Wie man 1721 die &#8222;weite Welt&#8220; betrachtete<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"818\" height=\"567\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-133\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas11.jpg 818w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas11-300x208.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas11-768x532.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 818px) 100vw, 818px\" \/><figcaption>Gut zu erkennen sind auf diesem Kartenausschnitt des Circulus Westphalicus die damalige Form des Jadebusens und die handschriftlichen Eintr\u00e4ge im Jeverland. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>-ch- <strong>Jever.<\/strong> Die bequemste Art zu reisen besteht vermutlich darin, mit dem Finger auf der Landkarte unbekannte L\u00e4nder zu erkunden. Doch eine Karte geh\u00f6rt auch dazu, wenn man sich wirklich auf Reisen begibt. Das gilt f\u00fcr das 18. Jahrhundert noch mehr als f\u00fcr die Gegenwart. Ein gutes Beispiel ist der Weltatlas, der sich im Besitz des Mariengymnasiums befindet. Wann der &#8222;Bij Frederick de Witt in de Calverstraat&#8220; in Amsterdam gedruckt wurde, l\u00e4\u00dft sich nicht feststellen, jedoch trug vermutlich der jeversche Landdrost Johann Ludwig, sp\u00e4terer F\u00fcrst von Zerbst, im Jahre 1721 seinen Namen in das Deckblatt ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so sehr der Stand der Kartographie dieser Zeit macht den Reiz des gro\u00dfen Kartenwerks aus &#8211; immerhin ist der erste Atlas von Gerhard Mercator bereits 1595 erschienen &#8211; sondern die Pr\u00e4sentation der Weltkarte und der zahlreichen L\u00e4nderkarten. Kupferstiche, m\u00fchevoll mit der Hand koloriert, begleiten den Benutzer mit allegorischen Darstellungen, Wapen und bunten Bildern aus fremden Welten auf seiner Reise. So zeigt die Karte Amerikas neben der lateinischen Kartenlegende eine Gruppe von Indianern: ein J\u00e4ger mit Pfeil und Bogen, ein Bauer und ein indianischer K\u00f6nig mit Schirmtr\u00e4ger geben dem Betrachter eine Idee davon, was ihn auf diesem Kontinent erwartet. Im Bild fehlen nicht die Goldbarren der legend\u00e4ren Inka &#8211; Sch\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"266\" height=\"551\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas21.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-134\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas21.jpg 266w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/atlas21-145x300.jpg 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><figcaption>Die antike Sagenfigur Atlas tr\u00e4gt im Deckblatt des Kartenwerks das Weltall auf seinen Schultern.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Weltbild, das sich hinter dem Kartenwerk verbirgt, hat eines mit modernen Atlanten gemeinsam &#8211; es ist kompromi\u00dflos eurozentzrisch gepr\u00e4gt. W\u00e4hrend es f\u00fcr ganze Kontinente der &#8222;neuen Welt&#8220; wie Amerika, Afrika oder Asien je nur eine \u00dcbersichtskarte gibt, erh\u00e4t in Europa nahezu jedes kleine F\u00fcrstentum eine eigene Karte. Navarra, Arragonien und Brandenburgum bedeuten eben noch etwas. Bis heute ist das eurozentrische Mercator &#8211; Prinzip in den meisten Atlanten erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders interessant wird es auf der Bildtafel 58, &#8222;Circulus Westphalicus&#8220;, wo das Jeverland und die Nordseek\u00fcste zu finden sind. Genau hier hat sich Johann Ludwig, der nach der Flutkatastrophe von 1717 nach Jever geschickt worden war, um den Deichbau voranzubringen, vermutlich pers\u00f6nlich mit blasser Tinte verewigt. In die Region eingetragen hat der Deichbaubeauftragte die Namen der Sielorte &#8222;Sophiensiel, Grilldumersiel, Hoksiel, Inhusersiel, Hormersiel, R\u00fcstersiel und Bantersiel&#8220;. Auch die handschriftlichen Markierungen &#8222;Wangerland, Wangeroog, Oestringen&#8220; schienen ihm wichtig genug f\u00fcr eine Erg\u00e4nzung zu sein. F\u00fcr einen Mann, der von Zerbst nach Jever kam, um sich um die Deiche zu k\u00fcmmern, ein Zeugnis von der Wichtigkeit, die er seiner neuen Aufgabe beima\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin kam er offenbar viel in der Welt herum. Sogenannte &#8222;Reiter&#8220; aus Papier geben s\u00e4berlich beschriftet Auskunft. Johann Ludwig interessierte sich stark f\u00fcr den europ\u00e4ischen Raum. &#8222;Colonia&#8220;, &#8222;Gracia&#8220;, &#8222;Italia&#8220;, &#8222;Gallia&#8220; und nat\u00fcrlich auch &#8222;Russia&#8220; scheint der Adlige aus Zerbst \u00f6fter nachgeschlagen und wahrscheinlich auch bereist zu haben, denn der Einband und die betreffenden Bildtafeln sind von intensiver Benutzung gezeichnet. Karten, die wom\u00f6glich unterwegs erworben wurden, sind nachtr\u00e4glich zur Erg\u00e4nzung eingebunden worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer aber direkt vor der s\u00fcdamerikanischen K\u00fcste eine Position mit einem schwarzen Kreuz markiert hat und zu welchem Zweck, wird wohl ein Geheimnis dieses Buches bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>(Jeversches Wochenblatt vom 20. Januar 2001)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Atlas im Mariengymnasium \/ Wie man 1721 die &#8222;weite Welt&#8220; betrachtete -ch- Jever. Die bequemste Art zu reisen besteht vermutlich darin, mit dem Finger auf der Landkarte unbekannte L\u00e4nder zu erkunden. Doch eine Karte geh\u00f6rt auch dazu, wenn man sich wirklich auf Reisen begibt. Das gilt f\u00fcr das 18. 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