{"id":191,"date":"2022-08-01T23:08:08","date_gmt":"2022-08-01T21:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/?page_id=191"},"modified":"2022-09-25T22:57:10","modified_gmt":"2022-09-25T20:57:10","slug":"kostbarkeiten-kuriositaeten-buchauszuege","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/?page_id=191","title":{"rendered":"Kostbarkeiten und Kuriosit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_zu-Kuriositaeten-Luther-Stempel-1562.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-607\" width=\"265\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_zu-Kuriositaeten-Luther-Stempel-1562.jpg 786w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_zu-Kuriositaeten-Luther-Stempel-1562-262x300.jpg 262w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_zu-Kuriositaeten-Luther-Stempel-1562-768x879.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><figcaption>Der pr\u00e4gegestempelte Luther von 1562 ist sicher ein Kuriosit\u00e4t<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch diese Rubrik werden wir weiter mit Inhalt f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es befinden sich viele Kostbarkeiten in der historischen Bibliothek. Beginnen wir mit diesen, und mischen wir ein paar Kuriosit\u00e4ten munter darunter. Bei der Eingabe in den digitalen Katalog des Bibliotheksverbunds von Deutschland (GBV) fallen uns immer wieder Schriften in die H\u00e4nde, die im Rahmen des GBV nur bei uns nachweisbar sind. Zum Schuljubil\u00e4um 2023 planen wir deshalb eine Ausstellung mit &#8222;Unikaten&#8220;, d.h. B\u00fcchern die in Deutschland (minus Bayern, die dem GBV nicht angeh\u00f6ren) nur bei uns vorhanden sind. Und da kommen wir auf eine Zahl von \u00fcber einhundert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-1491-Biblia-integra-3-Jens.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-655\" width=\"544\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-1491-Biblia-integra-3-Jens.jpg 900w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-1491-Biblia-integra-3-Jens-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-1491-Biblia-integra-3-Jens-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><figcaption>Die Biblia Integra von 1491 in ihrer restaurierten Sch\u00f6nheit ist eine Rarit\u00e4t mit Lokalbezug <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oft sind es die Einb\u00e4nde, die ein Buch zu einer Kostbarkeit machen, unabh\u00e4ngig von der Auflage oder der Zahl der nachweisbaren Exemplare. Vor 1800 wurden B\u00fccher in der Regel vom Drucker als &#8222;Loseblattsammlungen&#8220; geliefert, der Kunde ging damit zu einem Buchbinder und lie\u00df sich &#8211; entsprechend seinem Geldbeutel und seinem \u00e4sthetischen Anspruch &#8211; ein Buch binden. Das konnte in Pergament sein, das konnte aber auch in Leder sein, mit aufw\u00e4ndigen Pr\u00e4gungen und Goldeinlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das unten abgebildete Buch von Johannes Sleidanus Buch hat alles, was einen bibliophilen Menschen erfreut: gestempelter Lederband, vergoldete Platten- und Einzelstempel und den vergoldeten Besitzernamen <em>Romero vann Schedick<\/em> sowie Kantenbeschl\u00e4ge und Messingschlie\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Sleidanus-1556.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-665\" width=\"489\" height=\"658\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Sleidanus-1556.jpg 669w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Sleidanus-1556-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><figcaption> <strong>Johannes<\/strong> <strong>Sleidanus, <\/strong>Warhafftige Beschreibung Geistlicher vnd Welltlicher sachen, Basel 1556. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Denklehrzimmer001-Jens.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-678\" width=\"521\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Denklehrzimmer001-Jens.jpg 900w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Denklehrzimmer001-Jens-300x249.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Denklehrzimmer001-Jens-768x637.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><figcaption>Christian Heinrich Wolkes &#8222;Denklehrzimmer&#8220; zeigt P\u00e4dagogen auf, wie Lehren funktioniert.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die historische Bibliothek war ja auch immer eine Schulbibliothek, und so sind Werke bekannter P\u00e4dagogen nachgewiesen, z.B. Johann Amos Comenius. Aus Jever stammte Christian Heinrich Wolke, nach dem auch eins der Geb\u00e4ude des Mariengymnasiums benannt ist. Er war ein Reformp\u00e4dagoge des ausgehenden 18. Jahrhunderts und hat an vielen Stellen einflussreich gewirkt. Seine Verbundenheit mit dem Mariengymnasium hat er auch durch die Schenkung seiner B\u00fcchersammlung deutlich gemacht. Das von ihm verfasste Buch &#8222;Anweisungen f\u00fcr M\u00fctter und Kinderlehrer (Leipzig, 1805) vermachte er durch pers\u00f6nliche Widmung der Schulbibliothek. In diesem ist dieser mehrfach gefaltete wundersch\u00f6ne Kuperstich enthalten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Juergens-Algae.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-683\" width=\"313\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Juergens-Algae.jpg 690w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Juergens-Algae-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><figcaption>Aus Lewis Weston Dillwyn, British Confervae, London 1809, in der J\u00fcrgens-Bibliothek<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1973 gelangte die Bibliothek des Jeverschen B\u00fcrgermeisters Georg Heinrich Bernhard J\u00fcrgens ins Mariengymnasiums. J\u00fcrgens B\u00fcchersammlung ist das, was man gemeinhin als Gelehrtenbibliothek umschreibt. Sie umfasst nicht nur eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00e4nden (1.200) sondern auch solche von gro\u00dfem Wert.  Georg Heinrich Bernhard J\u00fcrgens war nicht nur ein angesehener Rechtsanwalt und Notar in Jever, er hatte sich auch einem speziellen Hobby verschrieben &#8211; der Algenforschung. Dieses Hobby betrieb J\u00fcrgens durchaus auf wissenschaftlichem Niveau. J\u00fcrgens erwarb deshalb als Grundlage alle wichtigen zeitgen\u00f6ssischen Schriften, die sich mit Algen auseinandersetzten. Aufgrund derer kann die Bibliothek des Mariengymnasiums nun auch auf diesem Feld gl\u00e4nzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Flug- und Streitschriften waren ein beliebtes Mittel der politischen oder religionspolitischen Propaganda. Mit Aufkommen der Druckkunst, besonders des Drucks mit beweglichen Lettern, waren sie schnell und kosteng\u00fcnstig herstellbar, und garniert mit ausdrucksstarken Illustrationen, oft von anerkannten K\u00fcnstlern, waren sie ein Medium, das auf den M\u00e4rkten und in den Gassen leicht an den Mann zu bringen war. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Fllugschrift-Aplas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-691\" width=\"372\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Fllugschrift-Aplas.jpg 659w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Fllugschrift-Aplas-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><figcaption>Ohne Ablass kann man auch selig werden &#8211; Flugschrift von 1521<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Johannes Tetzel, einem wohl nicht immer solide lebenden Dominikaner und ber\u00fcchtigten Ablassh\u00e4ndler zur Finanzierung des Baus des Petersdoms in Rom, kennen wir den Satz &#8222;Sobald der G\u00fclden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt&#8220;.  Mit der Reformation wandte sich die neue Glaubensrichtung gegen diesen exzessiven Ablasshandel. Und welches Medium  w\u00e4re geeigneter, um diese Botschaft zu verbreiten, als die Flugschrift!? Die Bibliothek des Mariengymnasiums besitzt eine sch\u00f6ne Sammlung von Flugschriften aus den 1520er Jahren. Naturgem\u00e4\u00df sind diese Kleinschriften extrem selten, denn wer wollte schon ein Bl\u00e4ttchen archivieren!?<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fccher aus vergangenen Jahrhunderten haben in der Regel indivuelle Eigenschaften; sie sind nicht die genormten und oft einf\u00f6rmigen Produkte, die Verlage heute anbieten. Da Drucker und Buchbinder vor dem 19. Jahrhundert zwei getrennte  Berufsbereiche waren, so waren auch zwei Institutionen beteiligt, die dem Buch seinen charakteristischen Stempel aufdr\u00fcckten. Hatte der Kunde einen Druck erworben, so war sein Geldbeutel entscheidend f\u00fcr das Aussehen des Buches. Konnte er sich einen Ledereinband erlauben, gegebenenfalls mit Pr\u00e4gungen und Goldeinlagen, oder war Pergament mit handschriftlichem R\u00fcckentitel die akzeptablere L\u00f6sung? Vielleicht sollte auch Pappe mit Kleisterpapier kaschiert zur Anwendung kommen!? War diese Entscheidung nun getroffen, so ging es um den Buchschnitt. Soll er sozusagen naturbelassen bleiben oder mit Farbe geziert werden? Sprengschnitt, Farbschnitt oder gar Goldschnitt? Die heute selbstverst\u00e4ndliche Angabe des Buchtitels auf dem R\u00fccken kam erst nach und nach auf. In raren F\u00e4llen haben sich in der Bibliothek auf dem Schnitt Titelangaben in Tinte erhalten, wie hier bei um 1525 gedruckten Hieronymos-Titeln aus der Sammlung des Remmer von Seediek, &nbsp;seines Zeichens Kanzler unter Maria von Jever.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Schnitt-Titel-Remmer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-706\" width=\"450\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Schnitt-Titel-Remmer.jpg 900w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Schnitt-Titel-Remmer-300x293.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Schnitt-Titel-Remmer-768x751.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption>Schnitt-Titel: Kirchenvater Hieronymos, Lucubrationes, Basel 1924-26<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Spottschriften waren immer Teil der literarischen Welt. Sie waren nicht immer gerecht, trafen nicht immer die Wahrheit und zielten gelegentlich deutlich unter die G\u00fcrtellinie. Oft versteckten sich anonyme Autoren hinter diesen Werken. So auch hier. &#8222;Die neu=entdeckten Elis\u00e4ischen Felder, und was sich in denselben sonderbares zugetragen&#8220; (Frankfurth und Leipzig 1735\/36) bezieht sich auf das Geschehen am Hof Friedrich Wilhelms I. von Preu\u00dfen, der bekannterma\u00dfen ein &#8222;Tobacks-Collegium&#8220; unterhielt. Dort wurde nicht nur dem Tabak zugesprochen, sondern auch dem Alkohol. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"388\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Fassmann-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-852\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Fassmann-1.jpg 388w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_8-Fassmann-1-233x300.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><figcaption>Jacob Paul von Gundling als kindlicher Bacchus das \u00fcberproportionierte Weinglas schwingend<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Insider, von dem wir heute wissen, dass es David Fassmann war, hat sozusagen den Maulwurf gespielt und in Buchform Dinge an die \u00d6ffentlichkeit aus diesen &#8222;Herrenabenden&#8220; getragen, die manchen der Teilnehmer nicht zum Ruhme gereichten. Ob dies zutreffend war oder nicht, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber dem &#8222;Geheimen Rath und Freyherr&#8220; Jacob Paul von Gundling sollte offensichtlich eine Backpfeife erteilt werden. Ihm wurde in diesem Tabakskollegium augenscheinlich \u00fcbel mitgespielt. Fassmann, als sein Antagonist, stellt ihn als bramarbasierenden S\u00e4ufer und Wichtigtuer dar, und die Illustration in seinem Buch l\u00e4sst keinen anderen Schluss offen. Dennoch war von Gundling Professor, Historiker, Pr\u00e4sident der Akademie der Wissenschaften und Hofrat bei Friedrich Wilhelm I.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/000k_9-Heinrich-Khunrath-Von-Hylealischen-...-Chaos-1597-JL-735-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-734\" width=\"285\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/000k_9-Heinrich-Khunrath-Von-Hylealischen-...-Chaos-1597-JL-735-1.jpg 332w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/000k_9-Heinrich-Khunrath-Von-Hylealischen-...-Chaos-1597-JL-735-1-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><figcaption>Heinrich Khunrath, Von Hylealischen &#8230; Chaos, 1597<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Geben die ehrenamtlichen Mitarbeiter des F\u00f6rdervereins B\u00fccher des historischen Bestandes in den digitalen Katalog der GBV ein, so m\u00fcssen sie jedes Buch in die Hand nehmen, um in einer sogenannten Autopsie alle relevanten Buchdaten und Buchmerkmale zu erfassen. Dabei schaut man sich B\u00fccher sehr intensiv an, und so entdeckt man gelegentlich Dinge, die vorher nicht so ins Auge sprangen. So stie\u00dfen wir&nbsp;in einem Werk des Arztes und Alchemisten Heinrich Khunrath von 1597 auf ein Emblem, das perfekt in die Corona-Leugner-Zeit passte und prompt vom Jeverschen Wochenblatt (20.12. 2021) aufgegriffen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht immer so, dass Kostbarkeiten auch kostbar aussehen. Oftmals scheinen sie eher Aschenputtel zu sein, doch bei n\u00e4herem Hinsehen entpuppen sie sich als absolute Rarit\u00e4t, als Unikat gar, oder als bibliophiler Schatz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_2015-Kostbarkeiten-BMGJ.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-625\" width=\"502\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_2015-Kostbarkeiten-BMGJ.jpg 900w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_2015-Kostbarkeiten-BMGJ-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_2015-Kostbarkeiten-BMGJ-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><figcaption>Einige der Kostbarkeiten liegen auf dem Tisch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oft ist es nicht der Druck an sich, der eine Schrift zu einer Kuriosit\u00e4t macht, sondern der Umgang mit derselben. In einer bei Froben 1520 in Basel gedruckten Schrift des Erasmus von Rotterdam kamen nach der Restaurierung Bl\u00e4tter einer sp\u00e4tmittelalterlichen Pergamenthandschrift zu Tage. So entdeckte Matthias Bollmeyer, unser Schriftwart, auf dem Makulaturfragment aus dem hinteren Spiegel des Buches von Desiderius Erasmus (Adagiorum chiliades) gar Frevelhaftes. Hatte doch ein Leser das Initial C um seine eigene k\u00fcnstlerische Beif\u00fcgung bereichert! So wurde aus dem distinguierten C ein gar munteres Gesicht. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"312\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Erasmus-Desideriusf-Ausschnitt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-846\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Erasmus-Desideriusf-Ausschnitt.jpg 500w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Erasmus-Desideriusf-Ausschnitt-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Der Leser konnte nicht anders, er musste seine k\u00fcnstlerische Begabung unter Beweis stellen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00-2-Seeraeuber.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-566\" width=\"423\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00-2-Seeraeuber.jpg 919w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00-2-Seeraeuber-300x197.jpg 300w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00-2-Seeraeuber-768x504.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 423px) 100vw, 423px\" \/><figcaption>Abbildung aus Johann Amos Comenius, Orbis Sensualium Picti , 1746 (Lektion XXVIII: <em>Navis bellic\u00e6 rector, Pirata, (Pr\u00e6do maritimus.) \u2013 Der Armateur (Capre) Corsair oder See=Rauber<\/em>)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Sprachlehrbuch aus dem 17. Jahrhundert stellt man sich aus heutiger Sicht wahrscheinlich ziemlich dr\u00f6ge und repetitiv vor. Schon sieht man sie vor dem geistigen Auge, Sch\u00fcler, die &#8211; gezwungen, still zu sitzen und and\u00e4chtig zu schauen &#8211; jedoch gedanklich irrlichternd weit au\u00dferhalb des Klassenzimmers sind. Sodann kam Johann Amos Comenius, und er hatte einen Plan, wie er den Sch\u00fclern die lateinische Sprache schmackhaft machen k\u00f6nne. 1658 erschien sein Lehrwerk <em>Orbis Sensualium Picti<\/em>, und in diesem f\u00fchrt er die Sch\u00fcler \u00fcber Holzschnitte zu allen die damalige Welt betreffenden Themen an die lateinische Sprache heran. Welcher Sch\u00fcler, der auf Abenteuer aus ist, mag sich nicht mit Dingen wie der Freibeuterei besch\u00e4ftigen?! Da macht Latein gleich doppelt soviel Spa\u00df. Kein Wunder, dass Comenius gro\u00dfen Einfluss auf das Schulwesen in Europa bekam.. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Kircher.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-848\" width=\"450\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Kircher.jpg 500w, https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/00k_9-Kircher-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption>Die Schallverst\u00e4rkung, die die Statuen sprechen l\u00e4sst &#8211; Athanasius Kircher in der Phonurgia nova, 1673.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Der letzte Mann, der alles wusste&#8220;, so hat Paula Findler ihn charakterisiert: Athanasius Kircher &#8211; Jesuit, Universalgelehrter, Alles-Wisser, Medienstar des 17. Jahrhunderts. Es gibt kein Wissenschaftsgebiet, auf dem er nicht t\u00e4tig war &#8211; von der \u00c4gyptologie bis zur Theologie. Kurzum: Er hatte es drauf. Kircher war Vertreter der angewandten Physik und setzte diese effektvoll auch in seinem Museum in Szene. <\/p>\n\n\n\n<p>In der historischen Bibliothek stehen zehn Werke dieses Mannes, der allerdings nicht nur bewundert, sondern auch besp\u00f6ttelt wurde. Denn er wusste, wo die Drachen lebten, er hatte plangenau und im Detail die Einrichtung der Arche Noah dargelegt, Futterstellen nicht vergessend. Der globale Wasserkreislauf war ihm ein Anliegen, gefundene Mammutknochen lie\u00dfen ihn R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Riesen der Steinzeit ziehen. Er erkannte einerseits Mikroorganismen als Ausl\u00f6ser der Pest, andererseits brachte er trickreich Statuen zum Sprechen. Dazu hatte er sich spezielle Schalltrichter ausgedacht, sozusagen die Leslie-H\u00f6rner des 17. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch diese Rubrik werden wir weiter mit Inhalt f\u00fcllen. Es befinden sich viele Kostbarkeiten in der historischen Bibliothek. Beginnen wir mit diesen, und mischen wir ein paar Kuriosit\u00e4ten munter darunter. Bei der Eingabe in den digitalen Katalog des Bibliotheksverbunds von Deutschland (GBV) fallen uns immer wieder Schriften in die H\u00e4nde, die im Rahmen des GBV [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":566,"parent":179,"menu_order":20,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":6,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"class_list":["post-191","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=191"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":929,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/191\/revisions\/929"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/179"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.foerderverein-bibliothek.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}